Neues aus der Sensenwelt
NEUJAHRSTREFFEN 2025
Eisige Kälte hielt eine Gruppe von „Sensenbegeisterten“ nicht ab, der Einladung des Sensenvereins zu folgen, um das Sensenschmiedemuseum in Micheldorf zu besichtigen. Der Verein Sensenschmiedemuseum hat mit seinem Obmann Herrn DI Martin Osen das schier Unmögliche geschafft. Mit größtem Einsatz und liebevoller Kleinstarbeit wurde das Museum generalsaniert und wird pünktlich zur Museumssaison 2025 seine Pforten öffnen. Und wir durften bereits vorab alles besichtigen.
Laut Martin Osen starteten die Arbeiten mit Erdbewegungen von mehreren tausend Kubikmetern inklusive der Freilegung und Wiederherstellung des Fluders, mit der Sanierung der Außenfassaden der Gebäude insbesondere des Herrenhauses. Auf Basis des originalen Fassadenplans von 1829 und historischer Fotografien wurde die Fassade des Herrenhauses in traditioneller Handwerkstechnik mit historischen Baustoffen aus der Region aufwändig wiederhergestellt. Im gesamten Herrenhaus wurde mit großem Aufwand, aber minimalen Eingriffen in die historische Bausubstanz eine Sockelheizung eingebaut.
Hölzerne Brücken, Stege und Gartenzäune wurden nach historischen Vorbildern rekonstruiert. Ein besonderes Highlight war die Rettung der barocken Sonnenuhr.
Beeindruckend ist auch die Verwandlung des ehemaligen Ross-Stalls. Nachdem störende Zwischenwände und Einbauten entfernt wurden, präsentiert er sich wieder wie zur Zeit Caspar Zeitlingers als einziger, großer Raum mit einem beeindruckenden Gewölbe.
Zum Schluss besichtigten wir noch eines der ältesten und auch bedeutendsten Sensenwerken der "Kirchdorfer-Micheldorfer Zunft" die "Werkstatt am Gries" ("Gradn"), deren 500-jährige Geschichte sich im OÖ. Sensenschmiedemuseum in Micheldorf widerspiegelt. Der Name Caspar Zeitlinger 1798 – 1866 ist untrennbar mit der Micheldorfer Sensenindustrie verbunden. Berühmtheit erlangte die "Gradn-Werkstatt" durch die hervorragende Qualität der erzeugten Sensen, die mit dem Zeichen eines "Kelchs mit Hostie" (Tassilokelch - Stift Kremsmünster) beschlagen wurden.
Bei Speis und Trank ließen wir einen unvergesslichen Tag gemütlich mit guten Gesprächen über und mit der Sense ausklingen.
Sabine Schmidt
Frische Sensen braucht die Welt
– Qualitätssicherung der Sensen im SVÖ-Sortiment
Am 28. Februar fand für einen Teil der bisher im neuen Produktionsjahr hergestellten Sensen aus dem vom SVÖ festgelegten Sortiment die Qualitätssicherung direkt vor Ort beim Hersteller, der Fa. Schröckenfux, durch Mitglieder des Sensenvereins statt. Andreas Hatzenbichler, Sabine Schmidt und ihr Sohn Dominik, Lukas Falkensammer, Christian Derler und Christian Hatzenbichler überprüften dabei stichprobenartig einige wichtige Parameter wie die Hammenlage, die Schneidenhöhe und den -verlauf sowie die Dengelstärke der frisch produzierten Sensen. Dabei wurden sie von den Mitarbeitern der Fa. Schröckenfux freundlich unterstützt.
Da für die Durchführung dieser Tätigkeit spezielles Fachwissen erforderlich ist, folgt diese Maßnahme der Intention des Vereinsvorstandes, die Qualitätskontrolle zukünftig auf eine breitere personelle Basis zu stellen, um dieses Wissen nachhaltig zu sichern und so zu einer gleichbleibend hohen Qualität der Sensenprodukte in dem vom SVÖ festgelten Sortiment beizutragen.
Im Anschluss führte Andreas Leopolder von der Fa. Schröckenfux die Teilnehmer*innen dankenswerterweise durch das Werk, wo sie den engagierten Mitarbeitern bei der diesjährigen Produktion der Vereinssense, dem Modell Tannenbaum, ein wenig über die Schulter blicken durften. Vielen Dank dafür!
Fotos: Christian Hatzenbichler, Christian Derler
Sensenlehrer*innen-Ausbildung 2023
Nach einer 3-jährigen Pause fand in diesem Jahr wieder ein Ausbildungslehrgang zur Sensenlehrerin bzw. zum Sensenlehrer des Sensenverein Österreich statt. Der Lehrgang wurde nach dem Konzept des SVÖ in 3. Modulen durchgeführt.
Das 1. Modul unter der Leitung von Peter Plochberger fand am 24. und 25. Juli 2023 in St. Pankratz im Bezirk Kirchdorf a.d. Krems statt. Der Schwerpunkt dieses Moduls bestand in der praktischen Wissensvertiefung, besonders was die Fertigkeiten des Dengelns betrifft, sowie in der Umsetzung des Gelernten in simulierten Kurssituationen. Auf dem Programm stand auch ein sehr informativer Besuch im Sensenwerk Schröckenfux, dem Herstellerbetrieb unserer Vereinssensen, sowie bei dem Vertriebspartner des SVÖ, der Firma Silvanus Forstbedarf GmbH in Kirchdorf a.d. Krems.
Das 2. Modul führte die angehenden 4 Sensenlehrerinnen und 2 Sensenlehrer am 23. und 24. September 2023 nach Fladnitz/Teichalm im steirischen Almenland. In diesem Modul unter der Leitung von Christian Derler widmeten wir uns intensiv den Themen Kursdidaktik, -aufbau und -organisation, wetterbedingt zunächst vorwiegend in den dafür bestens geeigneten Räumlichkeiten des Almenlandwirts Haider auf knapp 1000m Seehöhe. Am 2. Tag ließen es sich die Teilnehmenden jedoch nicht nehmen, ihr Wissen bei Regen und starkem Wind auf „die Wiese zu bringen“.
Beim abschließenden 3. Modul am 14. und 15. Oktober 2023 durften wir so wie schon beim 1. Modul dankenswerterweise Gäste auf dem Anwesen der Familie Falkensammer in St. Pankraz sein. Am 1. Tag überzeugte sich Vorstandsmitglied Lukas Falkensammer als Prüfer beim Probemähen vom Ergebnis der Dengelaufgabe, die den Teilnehmenden gestellt worden war.
Am 2. Tag stellten sich die Anwärter*innen bei der Durchführung eines Mähkurses abwechselnd den strengen Blicken des Vereinsobmanns Andreas Hatzenbichler und des Vereinskassiers Roland Seepacher, die die Prüfungskommission bildeten. Den Abschluss des Tages bildete die Verleihung der Sensenlehrerurkunden. Der Vorstand des SVÖ freut sich über die 6 neuen Mitglieder in der Runde unserer Sensenlehrer*innen!
v.l.n.r.: Peter Plochberger, Roland Seepacher, Hedda Malicky, Doris Fröhlich, Andreas Schützenhofer, Zdenko Majer, Alexandra Falkensammer, Lukas Falkensammer, Jutta Spitzmüller, Christian Derler
Fotos: Peter Plochberger, Christian Derler
+Walter Blumauer
Liebe Vereinsmitglieder!
Unser Gründungsmitglied und langjähriger Kassier Walter Blumauer ist leider von uns gegangen.
Gemeinsam mit Peter Vido, Hansjörg Rinner, Franz Pracherstorfer und einigen anderen hatte er den Verein aus der Taufe gehoben und mit Leben erfüllt.
Aufgrund seiner langjährigen Wirtschaftserfahrung war er prädestiniert für die Funktion als Kassier.
Das war für den neuen Verein perfekt. Zusätzlich zu seiner Begeisterung für die Vereinsidee brachte Walter jahrzehntelange Erfahrung aus dem Sensengeschäft mit.
Dies zeigte sich eindrucksvoll bei den Verhandlungen mit der Firma Schröckenfux, als für den Verein die Lieferung von speziellem Sensenmaterial in höchster Qualität vereinbart werden konnte.
Obwohl der Verein jung war, wurde durch das Beisein von Walter auf Augenhöhe verhandelt.
Dem neuen Verein fehlten am Beginn natürlich die notwendigen finanziellen Mittel.
Gemeinsam mit anderen besuchte Walter deshalb unzählige Veranstaltungen, wo Sensenmaterial verkauft und über den Verein informiert wurde.
Ein exzellenter Schachzug von ihm war es, dass er dem Verein die Sensen-Marke Tannenbaum zur Verfügung stellte.
Damit konnten wir ein eigenes Sensenmodell auf den Markt bringen.
Dieses Modell wird seither exklusiv als Sensenvereinssense hergestellt und verkauft und ist für seine hervorragenden Mäheigenschaften bekannt.
Walter war ein begnadeter Netzwerker. Durch seine Kontakte in die ganze Welt gewann der Verein schnell viele Mitglieder.
Auch von seinem Engagement im Museum Geyerhammer konnte der Sensenverein profitieren.
Die von ihm gestartete Zusammenarbeit wirkt bis heute.
Walter führte als Kassier die Vereinskasse sehr umsichtig.
Auf den Mitgliederversammlungen präsentierte er stolz die gute Entwicklung des Vereins, zu der er maßgeblich beitrug.
Über den Generationenwechsel in der Vereinsleitung hinaus war Walter für den Verein da.
Obwohl sich die ersten Anzeichen seiner Krankheit bemerkbar machten, war er, solange es seine Gesundheit zuließ, bei Sitzungen und Treffen dabei und stand uns mit Rat und Tat zur Seite.
Seine Freundlichkeit und Verbindlichkeit, gepaart mit einer klar strukturierten und zielstrebigen Arbeitsweise trugen viel zu einer erfolgreichen Vereinsentwicklung bei und schufen ein Umfeld, in dem sich alle wohl und gleichzeitig gut aufgehoben fühlten.
Diese Mischung aus großer Fachkompetenz in Kombination mit der Erfahrung im Umgang mit Menschen führte dazu, dass jeder gerne mit ihm im Verein arbeitete und Zeit verbrachte.
Walter, wir danken dir von Herzen für deinen großartigen und inspirierenden Einsatz für den Sensenverein, die vielen schönen Stunden die wir gemeinsam verbracht haben und den wertvollen Beitrag den du geleistet hast.
Mit dir endet nun eine Ära in der jahrhundertelangen Geschichte der Sense. Durch deinen unermüdlichen Einsatz hast du aber dafür Sorge getragen, dass dieses Wissen weiterlebt und die Zeit überdauert.
Lieber Walter, in unseren Herzen wirst du weiterleben.
Ruhe in Frieden!
29.04.2023 Frühjahrstreffen Sensenverein
Freitag, 28.04.
Am Abend wurden beim gemütlichen Zusammentreffen gefachsimpelt und Erfahrungen ausgetauscht. Unsere Sensenlehrer-Anwärter nutzen die Gelegenheit, sich Tipps von den erfahrenen Sensenlehrern und Sensenlehrerinnen zu holen.
Samstag, 29.04.
Am Vormittag machten wir uns auf den Weg nach Deutschfeistritz, um bei einer Exklusivführung mit unserem Sensenlehrer Norbert Fank durch das Museum Sensenwerk geleitet zu werden. Wir konnten uns die einzelnen Produktionsschritte einer Sense ansehen und erfuhren nebenbei interessante Details über das Sensenwerk. Hier wurden von 1849 bis 1984 unter schwersten Arbeitsbedingungen Sensen produziert. Ein Highlight war der Spaziergang unter der imposanten Fluderanlage. Als Geschenk des SVÖ bekamen alle teilnehmenden Mitglieder eine Pinzgauer Sense überreicht.
Mit den vielen Eindrücken vom Museum Sensenwerk Deutschfeistritz fuhren wir weiter ins Freilichtmuseum Stübing. Die Einkehr ins Museumsgasthaus von Stübing kam gerade recht, um anschließend gestärkt in den Dengel-Nachmittag zu starten.
In einem alten Stadel auf dem Museumsgelände stellten wir unsere mitgebrachte Dengelausrüstung auf, um mit dem praktischen Teil des Dengels zu beginnen. Die ersten Hammerschläge waren noch nicht verklungen, als bereits neugierige Museumsbesucher herbeiströmten. Für unsere Sensenlehrer-Anwärter war das Dengeln vor Publikum, das natürlich auch Fragen stellte, eine ungewohnte Situation, die sie aber mit Bravour meisterten. Die frisch gedengelten Sensen mussten natürlich anschließend auf ihre Schneidfähigkeit getestet werden. Mit dem einen oder anderen Fachaustausch unter Kollegen ließen wir das Frühjahrstreffen gemütlich ausklingen.
Fotos:
©Andreas Mayr
©Peter Plochberger